Muße statt Müssen

Kugelrund, das beschreibt die Vorderseite meines Körpers derzeit wohl am treffendsten. Im siebten Monat schwanger zu sein bringt viel Schönes mit sich. Es gibt aber auch emotionale Schattenseiten meiner aktuellen Kugelform, die mir gerade in den vergangenen Wochen vermehrt zu schaffen gemacht haben.

In den meisten Momenten lösen die inzwischen kräftigen Tritte und Kniffe in meinem Inneren eine pure Freude darüber aus, dass ein kleines Wesen in mir heranwächst. Wer mich kennt, weiß, wie sehr ich es liebe, aktiv zu sein. Drei meiner liebsten Hobbys sind Laufen, Wandern, Rennradfahren. Die sportliche Herausforderung, das Testen meiner körperlichen Grenzen und die Bewegung in der Natur bringen mich dazu, diesen Sportarten  jede freie Stunde der Woche zu widmen. Also im nicht-schwangeren Zustand.

Jetzt realisiere ich langsam, dass mein Bauch jeder dieser Lieblingsbeschäftigungen wortwörtlich im Weg steht.

Besonders an Tagen, an denen Tobias sich seine Sportsachen anzieht, sich in den Sattel schwingt oder eine Wandertour mit Freunden unternimmt, schreit es in meinem Kopf stumm „Ich will auch“ und ich kämpfe gegen fiese Gefühle von Eifersucht und Frustration.

Es hat drei Tage der Selbst-Reflexion (und zugegebenermaßen) auch einige Momente des Selbstmitleids gedauert, bis ich verstanden habe, welche Strategie ich benötige, um meine Unzufriedenheit zu lösen.

1. Innere Antreiber hinterfragen

Warum um Himmels willen bin ich eine solche Bewegungs-Fanatikerin und warum fällt es mir so schwer zu akzeptieren, dass ich gerade sportlich keine Höchstleistungen bringen kann und sollte?
Kennt ihr diese vertraute Stimme im Kopf, die euch gerade an Tagen, die anders verlaufen als geplant, leise zuflüstert, was ihr noch zu tun oder was ihr zu lassen habt?

So sehr ich diesen intrinsischen Motivator schätze, so sehr ist es wichtig, die inneren Glaubenssätze zu hinterfragen.

Muss ich wirklich immer etwas schaffen? Wer bin ich, wenn ich gerade nicht leistungsfähig bin? Ist es schlimm, etwas zu verpassen? Ist mein Tag nur dann erfüllt, wenn ich möglichst viel erreicht und erledigt habe?
Mit jeder Antwort weicht meine nervöse Unruhe einem inneren Frieden und ich lerne zu akzeptieren, dass ich auch an energielosen und weniger produktiven Tagen erfüllt und zufrieden sein darf.

2. Fokus neu setzen

Anstatt mich auf die Tätigkeiten zu konzentrieren, die ich gerade nicht unternehmen kann, habe ich bemerkt, dass ich den Fokus auf solche Aktivitäten legen muss, für die ich mir im „normalen Zustand“ keine Zeit nehmen würde. Yogaübungen zum Beispiel. Oder an einem sonnigen Samstagmorgen Laugengebäck selbst zu backen. Aus der Schublade unter meinem Bett den Ton-Block herauszukramen und einen Abend kreativ zu werden. Gerechnet auf meine gesamte Lebenszeit ist die Anzahl der Monate, in denen ich aufgrund von Schwangerschaft oder zurückliegender Geburt keinen extremen Beschäftigungen nachgehen kann, erschreckend gering. Sollte ich meinen Status nicht vielmehr als Privileg beachten und während dieser kurzen und intensiven Lebensphase anderen Freizeitbeschäftigungen als gelungene Abwechslung wertschätzen?

3. Eine Muße-Stunde planen

In meinem Kalender stehen inzwischen feste Termine in der Woche, in denen ich den neu entdecken Beschäftigungen ihren Platz einräume. Dienstag abends düse ich mit dem Bus in die Stadt und bewege meinen kugeligen Körper über die Yogamatte. Wenn Tobias sich mit Leuten zum Klettern trifft, probiere ich mich an neuen Rezepten aus. Und dann gibt es noch die handwerklichen Projekte, die ich unbedingt fertigstellen möchte, bevor es dann im September mit dem Start von Cambio wieder trubelig wird.

Meine Muße zu entdecken bedeutete für mich: Freie Zeiträume im Alltag zu schaffen, in denen ich mich meiner inneren Ruhe aussetze, und etwas tue, was meinem Interesse in diesem Moment entspricht. Herrlich – probiert das unbedingt mal aus!!

Bist du bei dem Experiment dabe, dich mal wieder mit deiner Muße zu verabreden?

Falls du deine nächste Brezel selbst backen möchtest – Hier geht’s zum Rezept – einfach und super lecker.

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