Ein erstes Ende

Gerade befinde ich mich irgendwo im Luftraum zwischen Gran Canaria und dem europäischen Festland. Ich sitze im Flugzeug und die Plätze vor und hinter mir sind gefüllt mit den Menschen, mit denen ich die letzten sechs Monate meines Lebens verbracht habe.
Die Menschen, mit denen ich viele tolle Momente erlebt habe und so manchen Konflikt ausgefochten habe, die mir ans Herz gewachsen sind und gleichzeitig einige Charakterzüge besitzen, die mich auf die Palme bringen.

Heute haben wir mit der gesamten Cambio-Gruppe die Insel verlassen und beginnen unseren Mannschaftsausflug nach Deutschland. Für die Teilnehmer waren die letzen Tage ein Abschied nehmen, für uns glücklicherweise nur ein ‚Auf Wiedersehen‘. Bei den Teilnehmern häuften sich die melancholischen Momente, in denen sie über ihre Zeit auf Gran Canaria ins Schwelgen kommen. Währenddessen habe ich mich mehrmals dabei ertappt, wie ich mich etwas süffisant darüber freute, in wenigen Wochen wieder zurückzukommen. Denn die Insel ist tatsächlich ein bisschen zu unserem zu Hause geworden. Deshalb freue ich mich auch schon wieder auf eine Rückkehr, obwohl ich es kaum aushalten kann, die kalte Winterluft Deutschlands in meinen Lungen zu spüren. Sogar Schnee soll es geben!

Drei Wochen später:
Die Müdigkeit des Fluges und die anschließenden ereignisreichen und stressigen Wochen unseres abschliessenden Einsatzes in Deutschland haben mir keine Zeit gelassen, diesen Blogeintrag auch nur annähernd weiterzuschreiben. Hier ein kleiner EInblick, was mich von der Fertigstellung abgehalten hat:

 

Tatsächlich Schnee - Diese weiße Überraschung ließ mein Herz vor Freude hüpfen.
Auf dem Kongress "Deutschland wird Jünger" hat die Cambio Band den Lobpreis gerockt.
Von Ewersbach nach Uelzen - eine lange Fahrt mit vollgepackten Autos.
Unser Straßeneinsatz auf dem Markt in Uelzen, warmer Kaffe und leckerer Kuchen umsonst für alle, die Lust drauf haben.
Bauchvergleich mit einem der berühmten 'schwangeren' Häuser in Lündeburg.

So sitze ich nun drei (!) Wochen später im nasskalten Deutschland und versuche mich gedanklich zurückzuerinnern an dieses aufregende Gefühl, unser erstes Cambio-Finale zu erleben. Am ersten März haben wir uns von unseren zwölf Teilnehmern verabschiedet. Bei den letzten Umarmungen flossen einige Tränen. Diese enge Gemeinschaft aufzulösen war ein ganz besonderer Moment. Zu wissen, dass unser erstes Cambio beendet war, hat uns einerseits mit etwas Wehmut erfüllt, aber auch mit etwas Freude darüber, diese herausfordernde Aufgabe beendet und gemeistert zu haben. Gerade die Zeit in Deutschland war doch herausfordernder als zuerst angenommen und die Stille im Auto auf unserer Fahrt nach Hemer daher willkommen aber absolut ungewohnt. Keine Gespräche mit der Suche nach den richtigen Spanischvokabeln. Keine scheppernde Raggeaton Musik aus den Bluetooth Lautsprechern unserer Teilnehmer. Nur wir zwei (einhalb). Vor uns sechs Wochen Deutschlandreise, in denen wir uns nur um selbst kümmern müssen, statt um 12 andere Personen.

 

Das erste Selfie zu zweit im Auto - Freude und Überforderung zugleich.
Es ist an der Zeit ein kleines Resümee zu ziehen: Wie waren unsere Erfahrungen mit dem ersten Cambio Jahrgang?

Mehr denn je bin ich der Meinung, dass dieser Job ein absoluter Traumjob ist. Ohne Ausnahme hat mir jeder Arbeitstag Freude bereitet. Ich will nicht überheblich klingen, denn natürlich gab es Momente, an denen ich gestresst, genervt oder überfordert war.
Aber dennoch überwiegt die Freude darüber, dass wir an so vielen Stellen wirklich erlebt haben, dass unser Motto der Veränderung bei jedem Teilnehmer eingetroffen ist.

Wir haben Veränderungen im Glauben erlebt:  Drei Leute haben ihren Glauben festgemacht und sich im Atlantik taufen lassen. Bei manchen Teilnehmern hat sich das Gottesbild verändert hat und es wurde gesagt, dass sie Gott in der Zeit von Cambio als einen liebenden Vater entdecken durften.

Veränderungen in den Fähigkeiten hat so ziemlich jeder durch das enge Zusammenleben mit vielen Menschen erlebt. Gerade die jüngeren haben am Herd ihre Kochfähigkeiten ins Positive verändert. Von einer anfänglichen Überforderung beim Nudelkochen, war am Ende nichts mehr zu spüren und die Kochkreationen nahmen über die Monate hinweg an Kreativität und Sicherheit zu. Dazu haben viele das Musizieren für sich entdeckt, ob am Klavier, an der Gitarre oder mit den eigenen Stimmbändern.

Der wohl spannendste Aspekt von Cambio ist die Veränderung der persönlichen Zukunftsperspektive. Was will ich nach der Zeit bei Cambio machen und wie kann ich meine beruflichen Entscheidungen in Einklang mit Gottes Willen für mein Leben treffen?! Klar ist, dass wir dabei nicht nur das Theologiestudium, Pastor/in und Missionar/in empfohlen haben, sondern dass die Gaben, Fähigkeiten und der Glaube der einzelnen Person besonders in säkularen Berufen zu Geltung kommen können. Daraufhin sind nahezu alle Teilnehmer mit einer wertvollen Perspektive von Cambio abgereist, mit einer Idee, wie sie ein Leben in der Berufung Gottes angehen wollen.

 

Am Anfang habe ich  diese Cambios/ Veränderungen allein auf die Teilnehmer bezogen. Jetzt aber merke ich, dass ich mich über diese intensive Zeit mindestens genau so viel verändert habe. Meine Erfahrungen, dass dieser Job ohne eine wahrhaftige und praktisch gelebte Beziehung zu Gott nicht möglich ist, hat meinen Glauben verändert und in den Mittelpunkt meiner Arbeit gerückt. Zu sehen, wie ehrliches Gebet erhört wird und wie Gott mich gerade an den Tagen unterstützt, an denen ich alles gebe, das aber nicht genug ist, war für mich eine besonders prägende Erfahrung.
Auch in unserer Ehe haben Tobi und ich Veränderungen beobachtet. Nahezu den ganzen Tag miteinander zu verbringen und dennoch viel weniger Zeit zusammen zu haben, war eine neue Erfahrung für uns. Es gab andere Gesprächsthemen, neue Regeln (wie zum Beispiel spätestens im Bett nicht mehr über die Arbeit zu reden – was nich immer geklappt hat) und die Herausforderung nach exklusiven Momente zu suchen, in denen wir uns vor allem als Paar begegnen und nicht auch als Arbeitskollegen.

Ziel erreicht: Veränderung eingetreten.

Ich bin dankbar für die Erlebnisse und Erfahrungen, die ich durch diese Zeit bei Cambio sammeln durfte und freue mich schon jetzt auf den Neustart im September. Sich zu verändern ist nicht immer einfach. Aber ich merke dass es gut tut, sich in seiner Persönlichkeit und seinem Hanndeln immer wieder erneuern zu lassen, um nicht auf der Stelle zu treten.

LeneUnterschrift

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