30.

Ich bin dreißig. Für mich war es nicht nur ein besonderer Tag, sondern gleich eine ganze Woche voll Feiermomente: Ein Besuch von der besten Freundin. Eine Feier mitten in der Natur Gran Canarias. Unerwartete Geschenke, die über die gesamte Woche verteilt per Post ankamen. Briefe, Karten und Nachrichten, die mich mit dem Gefühl überwältigen, gesehen, geliebt und wertgeschätzt zu sein. 

Der dreißigste Geburtstag ist ein besonderer Meilenstein. Nicht weil
der Eintritt auf Ü-30 Partys jetzt in den Bereich des Möglichen rückt
(falls diese überhaupt noch existieren), sondern vielmehr aufgrund der
Worte eines Freundes, welche mir seit diesem Tag nicht aus dem Kopf gehen:
„Mit diesem Alter hat Jesus angefangen, in unserer Welt zu wirken und
sie auf den Kopf zu stellen.“

Ich bin jetzt also im Club der 30er und statt Melancholie macht sich
in mir eine gigantische Euphorie breit. Ein Gespanntsein auf das, was
kommt. Eine Vorfreude auf die Kairos-Momente der kommenden Jahre, in
denen ein Zahnrad in das andere klackt und mit mir etwas in Bewegung
gesetzt wird. Ich fiebere den Momenten entgegen, in denen ich aus meiner mittellangen Lebenserfahrung schöpfen kann und Gott die Vorbereitung meiner ersten dreißig Lebensjahre nutzt, um seine Idee mit dieser Welt
umzusetzen.

Während ich das schreibe kribbeln meine Finger vor lauter Tatendrang
und ich überlege einmal mehr, welche Projekte ich jetzt umsetzen könnte.
Mein Kopf ist voll von Ideen. Ich sehe ein Dutzend Möglichkeiten, die
ich nutzen könnte. Will etwas bewegen. Denke über Themen nach, die ich
so gerne aufschreiben und teilen möchte. Manchmal würde ich am
liebsten alle Termine absagen, die Tür hinter mir schließen und mit
hochgekrempelten Ärmeln an die Arbeit gehen.

Die spannende Frage ist aber wann der Moment dafür ist.
Wenn Jesus Christus drei Jahrzehnte abwartete, um den abgefahrensten
Auftrag der Menschheitsgeschichte umzusetzen, sollte nicht auch ich den
richtigen Moment abpassen?
Was hat Jesus getan, in der Zeit seiner Vorbereitung? Er ist
Menschen begegnet, hat das Leben mit ihnen geteilt und genossen. Er hat
die Probleme der Gesellschaft wahrgenommen. Er hat beobachtet, studiert
und gelernt. Er hat den Ausgleich in der Stille gesucht, um seine
Gedanken zu sortieren und Zeit mit seinem Abba verbracht. Er hat eine
Grundlage geschaffen, die ihm in der turbulenten Phase der Umsetzung die nötige Sicherheit gegeben hat und die unerschütterliche innere
Überzeugung, das Richtige zu tun.
 
So habe ich meinen letzten Tag als 29-jährige gefeiert:

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